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"UNSER WESTEND IST IMMER NOCH IN GEFAHR"
- so betitelten wir im Jahr 1989 unsere Broschüre zum 20-jährigen
AGW-Jubiläum, als viele unserer Bewohner schon fest überzeugt
waren, dass die Zeiten der Zerstörung und Vertreibung nun vorüber
seien.
Die folgenden Jahre - nun sind es abermals wieder fast zwanzig -
zeigten bald, dass unsere Skepsis recht begründet war; dass
es sehr wohl noch "Gefahren" für unseren Stadtteil
und seine Bewohner gibt.
Sie sind nicht mehr so offensichtlich und dramatisch wie zu Beginn
unserer Arbeit; sie kommen weniger dreist daher als vor 30 Jahren
und sie suchen oft die "elegantere" Form einer versteckten
Zerstörung von Stadtbild und Bewohnermilieu, aber ihre Folgen
sind immer noch erschreckend.
Die immer häufiger gestellten Fragen an die AGW, bei Ortsbeiratssitzungen
und ähnlichen Gelegenheiten offenbaren die Beunruhigung vieler
Westendbewohner:
- Was ist unser Bebauungsplan noch wert, der
vor 30 Jahren unter der intensiven Mitarbeit von Ortsbeirat und
AGW erarbeitet und beschlossen wurde?
Seine bis in die 80er Jahre geltende Schutzfunktion gegen Zerstörung
und Veränderungen unseres Stadtviertels ist zunehmend verlorengegangen.
Neu- und Umbauten werden fast nur noch mit "Ausnahmegenehmigungen"
errichtet, ohne architektonischen Bezug zur Umgebung, unter Zerstörung
der alten, westendtypischen Ensembles, der Vorgärten und
vieler alter Bäume.
- Welche politische und stadtplanerische Bedeutung
hat heute noch unsere so leidenschaftlich erkämpfte Erhaltungssatzung?
Ihr Inkrafttreten im Jahre 1989 wurde in einer Broschüre
der Stadt Frankfurt euphorisch gefeiert: "UNSER ZIEL:
DAS WESTEND ERHALTEN! Aus den erhaltenen historischen Bereichen
und den nach 1945 entstandenen Bauten bildete sich eine städtebauliche,
architektonische und soziale Mischung, die für das heutige
Westend kennzeichnen ist. Diese Eigenart - seine Nutzungsvielfalt,
die typische Mischung seiner Wohnbevölkerung und seine heutige
Gestalt gilt es, im Interesse der hier lebenden Menschen und als
unverzichtbaren Wert für die gesamte Stadt Frankfurt zu erhalten."
Diese Hymne ist ein Originalzitat aus der Broschüre des Städtischen
Amtes für kommunale Gesamtentwicklung und Stadtplanung. Viele
unserer Bewohner können das heute kaum noch glauben.
Warum verabschiedet die Stadt unerschrocken weitere Erhaltungssatzungen
(in jüngster Zeit "Westend II"!), wenn diese für
die städtische Planungs- und Genehmigungspraxis nur die Bedeutung
eines Phantoms haben?
- Die Zahl der Westendbewohner ist beängstigend
gesunken, das neue "Investoren"-Verlangen richtet sich
zunehmend auf die meist einfachen, aber sehr westendtypischen
Wohnbauten der 50er/60er Jahre, die ja ohne viel Federlesen und
baurechtliche Hemmnisse abgerissen werden können, um durch
pseudoluxuriöse Neubauten des sogenannten "gehobenen
Wohnens" ersetzt zu werden.
Die Mieter dieser alten Häuser haben ohne Ausnahme nicht
die Mittel, in den Nachfolgebau "zurückzukehren",
weil die Mieten selbst für den westendtypischen Mittelstand
völlig unerschwinglich sind.
Die "Milieu"-Veränderung durch diesen zunehmenden
Verlust der "alten Wohnbevölkerung", die das Leben
in unserem Stadtteil prägte, wird wohl immer mehr dazu führen,
dass das Westend ein totes (Neu-)Reichen-Getto wird.
Gibt es noch den politischen Willen, hier gegenzusteuern? Die
Absichtserklärungen der Stadt bzgl. ihrer Wohnungsbauplanung
widersprechen der Praxis der vergangenen Jahre.
- Die vor allem im letzten Jahr immer wiederkehrende
Forderung der Anwohner im Bereich des Ortsbeirats 2 nach einer
fundierten Vor-Information über Neu- und Umbauten (so wie
es im Bebauungsplan festgeschrieben ist) und die sich häufenden
Klagen über die restriktive Auskunftspraxis der Bauaufsicht
gegenüber anfragenden Anwohnern ist ein weiterer wichtiger
Problemkreis, der zu viel Unmut und Beschwerden führt.
Und so geht es weiter:
die recht schleppend vorangetriebene Verkehrsberuhigung, das Verschwinden
vieler Vorgärten, die Veränderungen in den Parks des Westends
und vieles, vieles mehr "brennt den Bewohnern auf den Nägeln".
Darüber wollen sie reden, fragen und diskutieren.
Wir hoffen, dass diese Wünsche durch unsere Veranstaltung
möglichst viel Befriedigung erfahren! Wir freuen uns auf Ihr
zahlreiches Erscheinen!
Weitere Informationen zur Veranstaltung:
bitte hier klicken
Pressekontakt:
Lelle Boendgen-Franz, Vorsitzende der AGW, Eppsteiner Str. 47, 60323
Frankfurt am Main, Tel. 72 32 47
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