AGW
Aktionsgemeinschaft Westend e.V.

Frankfurt am Main
 
 
 
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1969 - 2009: Die AGW ist 40 Jahre alt!

1969 haben engagierte Bürger des Westends die AGW gegründet, eine Gemeinschaft für Aktionen gegen Grundstücksspekulation, Häuserzerstörungen, Versiegelung von Grünflächen und gegen Mietervertreibung. Infolge des Widerstands seiner Bewohner gab die Stadt ihre damaligen Pläne zur rigorosen Umwandlung des Westends in ein Cityerweiterungsgebiet und einen Bürostandort auf. Es kam zu einem historischen Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Wohnbevölkerung, den Ambitionen der Stadtplaner und den Wünschen von Investoren. Ausdruck dieses Kompromisses sind die von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen und auch heute noch gültigen Satzungen zum Bestandsschutz des Westends (Bebauungspläne Nr. 320 – Westend I von 1978, Nr. 420 – Bockenheimer Landstraße von 1979 und Erhaltungssatzung Nr. 3 – Westend I von 1990), sowie die offizielle Anerkennung zahlreicher Gebäude im Westend als schützenswerte Baudenkmäler (Aufnahme in die Denkmal-Topographie der Stadt Frankfurt am Main).

Nach einigen Jahren relativer Beruhigung sieht sich das Westend seit inzwischen mehreren Jahren erneut einem starken Veränderungsdruck ausgesetzt. Büroimmobilien der 60er und 70er Jahre sind abgeschrieben, entsprechen modernen Nachhaltigkeits- und Brandschutzanforderungen nicht mehr und werden durch höhere Gebäude ersetzt, nachdem die alten Eigentümer sie verkauft haben ( z.B. „Westend-Duo“ und „Opernturm“) oder sie stehen wie das Arbeitsamt zwischen Barckhaus- und Feuerbachstraße seit Jahren leer und bilden eine hässliche Brache mitten in der Stadt. Für die Konzentration der Kreditanstalt für Wiederaufbau südlich des Palmengartens sind Wohnhäuser an der Palmengartenstraße, die hellen Klinkerbauten des Universitätsbaumeisters Ferdinand Kramer und eine Gründerzeit-Villa an der Senckenberganlage abgerissen worden. Die neue Bebauung ist enorm verdichtet, das Stadtbild nicht zum Besseren verändert worden; wohnlicher und liebenswerter ist das Westend an dieser Stelle nicht geworden.

Der Auszug der Goethe-Universität aus dem Campus Bockenheim – der zum größeren Teil auf Westendgebiet liegt!- und dessen beabsichtigte Neubebauung werden noch auf Jahre erst eine Brache und dann eine riesige Baustelle hinterlassen. Bauliche Verdichtung und Höhe wird auch hier das Prinzip der Stadtplanung sein. Es mutet wie eine Ironie der Geschichte an, dass als Folge des enormen Büroleerstandes in Frankfurt inzwischen im Westend Bürohäuser in Wohnhäuser zurückgebaut werden – selbstverständlich mit höherer Grundstücksausnutzung. Wer mit offenen Augen durch das Westend geht, wird bemerken, dass Vorgärten, soweit sie nicht pflegeleicht gestaltet werden, immer häufiger für Restaurants und Kneipen, für Parkplätze, Auffahrten und verbreiterte Hauszugänge oder für Mülltonnenstellplätze in Anspruch genommen werden. Das Westend verliert damit nicht nur ein Stück der für seine Lebensqualität wichtigen „grünen Lunge“ sondern auch einen ganz entscheidenden Aspekt seines Charmes.

Der Einzelne ist angesichts all dieser und weiterer das Westend verändernder Vorgänge hoffnungslos überfordert, wenn er sich kritisch damit auseinander zu setzen versucht. Es ist auch ein Irrtum anzunehmen, dass man den Dingen ruhig ihren Lauf lassen könne, weil die Stadtplanung und Bauaufsicht „es schon richten“ werde. Stille Bürger sind der Verwaltung das ist keine Frankfurter Spezialität - die liebsten Bürger. Nur durch gemeinsames Auftreten und Handeln können sich die Bürger – wenn überhaupt – Gehör verschaffen. Deshalb sind Bürgerinitiativen immer noch und immer wieder, auch in einer Demokratie, sinnvoll und notwendig. Deshalb ist die Aktionsgemeinschaft Westend heute nicht überholt, sondern notwendig wie im Gründungsjahr 1969.

Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens der AGW wird es in Kooperation mit der Kunstgesellschaft zwei Westendführungen, am 26. September 2009 und am 21. November 2009, jeweils ab 14:00 Uhr, geben. Die Führung am 26. September startet an der Bockenheimer Warte, die Führung am 21. November am Opernplatz. Näheres unter www.kunstgesellschaft.de/stadtgesellschaft .

 

 

 

 

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